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Vor der Sprache des sicht-
oder hörbaren Ausdrucksmittel (der Buchstaben,
Töne, Formen und Farben) wird die Sprache des Stroms
gesprochen, die unter der Sphäre der sinnlichen
Wahrnehmbarkeit liegt.Die Farbe rot z.B. wird auf der
Ebene des Stroms durch eine bestimmte Bitfolge, durch einem
bestimmten Wechsel von Strom-an (oder 1) und Strom-aus (oder
0) Zuständen, ausgedrückt. In der Html-Sprache
ergibt dies dann den Hexadezimalwert #FF0000, der dafür
sorgt, daß der Bildschirm die Farbe rot
anzeigt. Durch einen alphanumerischen Code wird
rot auf der Ebene der Farben sichtbar, wo es
schließlich, auf der Ebene der Bedeutung, für
Liebe oder Tod stehen kann. Bei den Buchstaben ist es, weil
vor dem Wort die Tinte kommt, noch schwieriger: das Zeichen,
nehmen wie wieder rot, muß zunächst durch
das entsprechende Material (meistens Tinte, oft auch Blei,
mitunter Blut) dargestellt werden, in unserem Falle als
Buchstabenfolge r-o-t , bevor es beginnen kann, etwas zu
bedeuten. Vor dieser Materialisierung des Zeichens steht nun
die Materialisierung durch den Strom: der Buchstabe r, dann
o, dann t, wird in der Sprache der Bits erstellt. Es gibt anderer
Ansätze, die gemeinsame Basis der verschiedenen
Elemente begrifflich festzuhalten. Das Multimedia-Programm
Macromedia Director z.B. tut dies in Analogie zu
Theater und Film und versammelt die Vertreter der
verschiedensten Sprachen in einer Besetzungsliste.
Dort stehen Sounddateien neben Images und Texte neben
Videoclips. Die Basis dieser Einheit des Verschiedenen ist,
dass alle ihren Part auf der Ebene der Performance spielen;
das Bild tritt dort genauso auf wie der Text oder die Musik.
Aber auch Zeit und Bewegung werden als Darsteller definiert,
auch das Script (das das Verhalten eines Darstellers oder
des ganzen Films bestimmt) wird in der Besetzungsliste
geführt. Wenn etwa bei Aktivierung eines Links eine
bestimmte Handlung eines bestimmten Darstellers
ausgelöst werden soll, steht in der Besetzungsliste ein
Script mit einem entsprechenden Onclick-Befehl. Diese
Handhabung bei Macromedia Director schärft den
Blick dafür, dass Animation bzw. Information, die auf
der sichtbaren Ebene des Ausdrucks nur in der Dimension der
Zeit wahrnehmbar ist, mit zum 'Text' der digitalen Literatur
gehört. |