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Diese Besprechung moniert
wiederholt Konuks "reine Freude am Design" und spricht von
der Gefährdung durch den "Tand schicker Effekte". Das
sind harte Worte, die Widerspruch erregen werden, und dieser
Widerspruch wird durchaus berechtigt sein. Wer dem Werk
gutes Design, aber Mangel an inhaltlicher Ausführung
bescheinigt, muss mit dem Einwand rechnen, falsche Kriterien
der Bewertung anzusetzen. Sollte man, so könnte es
heißen, digitale Literatur, zumal wenn sie von der
visuellen Kunst kommt, nicht anders bemessen als
traditionelle Texte?! Soll man hier nicht den Schwerpunkt
auf das Design statt auf den Inhalt legen? In der Mailingliste
Vielleicht ist dieses
weniger als Gegenpol, denn als Pendant zur Aufklärung
zu sehen. Vielleicht ist die barocke Ästhetik (dieses
Sich-Verlieren in opulenten Details ohne definierendem
Zentrum) im Netz nicht nur Folge der Hypertext-Struktur und
der hier möglichen Effekte mittels Sound- und
Image-Editoren. Vielleicht findet in der sinnenfreundlichen
Multimedialität des Netzes eine eine postmoderne
Befindlichkeit dankbar ihren Ausdruck. Ich habe an anderer
Stelle ( So wie der Verlust der
kosmischen Ordnung eine Ästhetik des Opulenten und
Sinnlichen hervorbrachte, könnte der Verlust der
Wahrheit in der postmodernen Konstellation eine
Ästhetik des Sinnlichen unterstützen, die im Falle
der Neuen Medien freilich eine Ästhetik des Technischen
ist. Und vielleicht liegt darin die Tiefe der
Oberflächlichkeit: das schmerzhafte, aussichtslose
Darunter nicht allzusehr aufzuwühlen. Man könnte
es Weisheit nennen, andere werden darin Flucht und
"Nicht-Interventionismus" (Manfred Frank) sehen. Wenn wir dieser
Überlegung folgen, müssen wir wohl auch die
Thematisierung des Krieges innerhalb einer
Design-vor-Inhalt-Ästhetik akzeptieren, denn hier erst
recht, wie die Ereignisse dieses Jahres in Europa gezeigt
haben, lassen sich keine klaren Wahrheiten formulieren. Die
Wasserleiche ist dann kein Widerspruch mehr, sondern reine
Konsequenz. Wohin geraten wir hier?! Konuks "Digital Troja"
eröffnet Fragen, die weit über den Rahmen dieser
Besprechung hinausgehen. Zunächst wäre wohl
über Flash zu sprechen, als Zukunftstechnologie des
Netz-Designs, die die Dominanz des Ästhetischen
vorantreiben wird und dabei auch die Attraktivität
inhaltsloser oder kommerzieller Sinnlichkeit
( Diese Mission der Reflexion
verlangt jedoch nicht, puristisch zu sein und auf die neuen
ästhetischen Möglichkeiten zu verzichten.
Engagement, soweit sind wir einige Dezenien nach Adorno,
muss nicht sinnenfeindlich sein. Es kommt nur eben darauf
an, nicht sein Objekt zu verlieren und sich selbst fangen zu
lassen. Wo liegt die Grenze zur trunkenen Gestimmtheit des
Technischen bzw. Sinnlichen, wie es sich auf der
Wahrnehmungsebene der Farben, Formen und Töne
realisiert (vgl. zum
netzliteratur.de
wurde diese Frage gerade vor einigen Tagen eifrig
diskutiert. Mit Bezug auf das von einigen Philosophen
angestimmte "Lob der Oberfläche" wandte sich Claudia
Klinger zB. gegen die Dominanz des sinnenfernen Textes als
Relikt des untergehenden Zeitalters der Aufklärung:
"Sinnlichkeit, Stimmung, Gefühl, Farbe und Form erobern
sich ihren Platz neu und drängen den 'reinen Gedanken'
zurück auf die begrenzte Wertigkeit, die das Denken
für ein glückliches Real Life tatsächlich
hat." Es ist zwar ungewiss, ob "Digital Troja" der hier
zugrundeliegenden Vorstellung von sinnfreudigen 'Texten'
entspräche, dass es viel Farbe und Form aufweist, ist
indes konsensfähig. Was aber steckt unter dem Lob der
Oberfläche?
"Perspektiven
einer Ästhetik der Digitalen
Literatur") von der
Verwandtschaft dieser Befindlichkeit mit der des barocken
Menschen gesprochen: nachdem der Mensch damals,
kopernikanisch belehrt, seinen kosmologischen
Mittelpunktstatus verlor, muß er heute, postmodern
(und konstruktivistisch) aufgeklärt, auch den
perzeptiven und apperzeptiven Mittelpunkt in sich selbst
aufgeben und sich in die begrenzte Wertigkeit des 'reinen
Gedankens' finden.
MONKEYmedia
zeigt eindringlich,
wie man den Commerz zum ästhetischen Ereignis macht).
Dem müsste sich die Frage nach dem
Selbstverständnis der Kunst, der Literatur und der
Kunst bzw. Literatur im Netz anschließen. Die
engagiertere Option formuliert Friedrich W. Block in seinem
Beitrag
"Literatur
in der
Informationsgesellschaft":
Kunst und Literatur ermöglichen "zu beobachten, worauf
man sich einläßt, wenn man sich neue Technologien
für Kommunikation und Bewußtseinsprozesse
leistet."
"digitalen
Kitsch")? Wir kennen
den selbstironische Umgang mit dem Medium in Sprache,
Malerei, Musik, Film ..., wie sieht es in Flash aus? - Die
Sache bleibt spannend!
Ihr
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