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Schluß Für Hypertexte wie auch
für das Internet gilt, daß Übertreibungen,
Idealisierungen und utopische Überzeichnungen kritisch
hinterfragt werden müssen. Es ist abzusehen, daß
sich auch hinter der Computertechnologie nicht die elegante
Lösung alter Probleme verbirgt, sondern daß
bekannte Konfliktszenarien in womöglich transformierter
Form erneut auftreten. Obwohl der Computer in einzigartiger
Weise in der Lage ist, die Sinne des Rezipienten zu
täuschen und zu überwältigen, indem er
fiktive Welten der Simulation erzeugt, bleiben nämlich
auch das Internet und Hypertexte eingebunden in reale
Kontexte wie Wirtschaftsabläufe, die Konstruktion
sozialer Networks oder die Händel um symbolische
Kapitalien wie das Prestige der Gewinner von
Hypertextwettbewerben. Wenn der Eindruck entsteht, Internet
oder Hypertexte wären als Medien prädestiniert,
die Verhandlungen kultureller und gesellschaftlicher
Konflikte endgültig aus dem Bereich des Literarischen
zu verbannen oder gar zur Gänze obsolet werden zu
lassen, dann ist das ein bloßer
Trugschluß. Lebensweltliche Problemlagen
werden, so läßt sich argumentieren, in den neuen
Medien gerade nicht bewältigt, sondern ausgeblendet und
auf ungewisse Zeit vertagt - sie können jederzeit
wiederkehren und treffen dann möglicherweise auf einen
unvorbereiteten Computerbenutzer. Dieser Nutzer hat
schließlich nur wenig Gelegenheit, von seinen
Kommunikationen am Computer "fürs Leben" zu lernen. Es
bietet sich ihm nur wenig Anlaß, die Daten auf der
Bildschirmoberfläche mit der eigenen
Erfahrungswirklichkeit in Verbindung zu bringen. Allzuoft
entstehen lediglich "possible worlds" im Kopf, deren
Vorhandensein im Belanglosen verbleibt und auf keine
produktive Auseinandersetzung mit der Realität
hinausläuft. Diese Tendenz muß aber nicht noch
durch Liebäugeln mit dekonstruktivistischen Thesen
verstärkt werden, sondern es wäre eine viel
reizvollere Aufgabe, die Potentiale von Hypertext und
Computertechnologie als Instrumente im kritischen Umgang mit
Alltagsproblemen aufzufinden und zu nutzen, statt die neuen
Medien immer nur als Qualitätssprung, als
Überwindung des Alltags, anzupreisen. Wo genau könnten solche
Potentiale liegen? Das Medium Hypertext sollte, wie gesagt,
nicht als Konkretisierung oder Versinnbildlichung einer
Utopie mißverstanden werden. Es ist nicht mehr und
nicht weniger als ein neues Kommunikationswerkzeug mit neuen
Möglichkeiten, Varianten von literarischen oder
Gebrauchstexten zu etablieren. Vor dem Hintergrund dieses
Werkzeugcharakters erscheinen die eingangs erwähnten
utopischen Aufladungen von Hypertext und Internet als das,
was sie sind: lautstarke Äußerungen partikularer
Interessen der Dekonstruktion oder der Mediendeterministen,
die jeweils ihrer Sache neue Munition zuzuführen
bestrebt sind. Daneben gibt es weniger medienwirksame,
dafür aber umso pragmatischere, ergebnisorientiertere
Herangehensweisen an das Medium. Hier ist etwa an
Lernprogramme zu denken, die die synästhetische
Komponente des Mediums nutzen, um ein besseres Lernen dank
anschaulicherer Lehrmittel zu fördern. Die geringen
Kosten des Internets als Vertriebsweg lassen es auch
angeraten erscheinen, global auftretende Informations- und
Bildungsgefälle mit Hilfe des neuen Mediums Hypertext
(unter Einschluß relationaler Datenbanken) effektiver
anzugehen. Schließlich geben Hypertexte und das
Internet breiten Bevölkerungskreisen die
Möglichkeit an die Hand, sich als Interessengruppen zu
vernetzen - es sind neue Anreize gesetzt, sich an den
bekannten Organisationsformen politischer Meinungsbildung
und Partizipation zu beteiligen. Hier liegen einige der
konkreten Möglichkeiten für Hypertext; ob das neue
Medium die Welt und den Menschen grundlegend verändern
wird, kann demgegenüber heute nur von untergeordnetem
Interesse sein. |